„Warteliste voller Käufer" – der älteste Trick im Makler-Bingo

Ah, der Klassiker. Sie sitzen einem Makler gegenüber, der Ihre Immobilie im Zabergäu bewerten soll – und noch bevor er überhaupt den Grundriss gesehen hat, lehnt er sich zurück und sagt mit warmer Stimme: „Wir haben da schon mehrere vorgemerkte Interessenten auf der Warteliste. Das geht bei uns schnell." Natürlich. Immer. Bei jeder Immobilie. In jeder Lage. Zu jedem Preis. Herzlich willkommen beim MaklerBullshit-Bingo, Feld Nummer 1.

Was steckt wirklich dahinter? Zahlen und Fakten zum Markt

Bevor wir den Mythos der magischen Warteliste zerpflücken, ein kurzer Blick auf die Realität des Immobilienmarkts. Laut einer aktuellen CBRE-Studie hat sich die Vermarktungsdauer von Eigentumswohnungen bundesweit bis zum Jahresende 2025 auf durchschnittlich 67 Tage verkürzt. Für Eigentumswohnungen lagen diese im dritten Quartal 2025 bei 65 Tagen – bei Häusern mit marktgerechtem Preis sind es laut KSK-Studie rund 122 Tage bis zum Notartermin.

Das bedeutet konkret: Ein gut bepreistes Haus in Güglingen, Brackenheim oder Zaberfeld braucht im Schnitt mehrere Wochen bis Monate – und eben keinen mysteriösen Schrank voller Wunschkäufer, der nur darauf wartet, bei Ihnen zu klingeln. Die Algorithmen von ImmoScout24, Immowelt und weiteren Portalen sind auf „Frische" programmiert: Neue Listings werden prominent platziert, während ältere Inserate nach unten durchgereicht werden. Wer nach sechs Wochen noch nicht verkauft hat, muss damit klarkommen, dass bereits 70 Prozent des gesamten Marktpotenzials an ihm vorbeigezogen sind. Von Warteliste keine Spur.

Was der Makler sagt Was die Realität zeigt
„Wir haben Vorgemerkte auf der Warteliste" Ø Vermarktungsdauer Häuser: ~122 Tage (KSK-Studie)
„Das läuft bei uns sofort" Ø ETW bundesweit: 67 Tage (CBRE, Ende 2025)
„Ich brauche Sie gar nicht inserieren" 93 % der Käufer starten ihre Suche online
„Kein anderer Makler hat so ein Netzwerk" Jede seriöse Vermarktung braucht öffentliche Portale

Die Warteliste: Psychologischer Druckmechanismus – kein Alleinstellungsmerkmal

Warum erzählt ein Makler Ihnen als Eigentümer überhaupt von seiner Warteliste? Ganz einfach: Er möchte den Alleinauftrag. Und er möchte, dass Sie unterschreiben – am besten noch heute Abend. Um ein Geschäft zu einem schnellen Abschluss zu bringen, wird mit Verkaufstaktiken gearbeitet: So wird dem potenziellen Gegenüber schnell mitgeteilt, dass das Objekt bereits mehrere Interessenten hat und nun schnell gehandelt werden muss.

Oft redet ein Makler von weiteren Interessenten, manchmal werden sie auch nur unterschwellig in einem Nebensatz erwähnt. Aber in vielen Fällen existieren diese weiteren Interessenten gar nicht. Der Makler erfindet sie, um Druck aufzubauen und schneller ein Kaufangebot zu provozieren. Das ist keine Einschätzung von Branchenskeptikern – das ist eine in der Immobilienbranche selbst diskutierte Praxis.

Dazu kommt: Eine fehlerhafte Beratung durch den Immobilienmakler kann drastische Konsequenzen haben. In der täglichen Beratungspraxis beobachten die Verbraucherzentralen, dass sich Berater eher an den eigenen Gewinninteressen als an den individuellen Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren. Wer also eine Warteliste als Verkaufsargument nutzt, statt über Strategie, Bewertung und Marktpreise zu sprechen, sollte Sie hellhörig machen.

So entlarven Sie die Wartelisten-Behauptung – 5 Fragen, die keinen Bullshit dulden

  1. „Können Sie mir diese Interessenten mit Namen und Suchprofil konkret benennen?"
    Ein seriöser Makler, der wirklich vorgemerkte Kaufinteressenten hat, kann zumindest anonymisierte Suchprofile oder dokumentierte Suchaufträge vorweisen. Wenn die Antwort ausweicht oder vage bleibt: Alarmzeichen.
  2. „Wie viele Ihrer zuletzt verkauften Objekte im Zabergäu wurden über diese Warteliste vermittelt – und nicht über ein Inserat?"
    93 Prozent der Immobilieninteressenten beginnen ihre Suche online. Wer also behauptet, ohne Portal-Inserat auszukommen, verkauft Ihnen einen frommen Wunsch.
  3. „Wie lange haben Ihre letzten drei Objekte in Güglingen oder Brackenheim tatsächlich bis zum Notartermin gebraucht?"
    Bei Häusern mit marktgerechtem Preis sind es laut Studiendaten rund 122 Tage bis zum Notartermin. Echte Zahlen zu fordern ist legitim – und entlarvend.
  4. „Erhalte ich eine schriftliche Vermarktungsstrategie mit konkreten Maßnahmen?"
    Immer wieder finden sich in Maklerverträgen rechtswidrige Klauseln. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, genau zu prüfen, worauf Sie achten müssen und welche Rechte Sie haben. Wer keine klare Strategie liefern kann, hat keine.
  5. „Was passiert, wenn nach 60 Tagen keine Ihre ‚Vorgemerkten' kaufen?"
    Ab 90 Tagen gilt ein Inserat als abgestanden. Käufer nutzen die lange Laufzeit als Verhandlungsargument, und sichtbare Preissenkungen auf Portalen schwächen Ihre Position zusätzlich. Das ist die eigentliche Gefahr, über die kein Makler mit Warteliste spricht.

Fazit

Die „Warteliste voller Kaufinteressenten" ist in den meisten Fällen das, was sie klingt: ein gut geöltes Vertriebsargument, um Vertrauen zu simulieren und den Alleinauftrag zu sichern. Manchmal gibt es tatsächlich vorgemerkte Suchende – aber auch dann ersetzt ein Netzwerk keine transparente, datenbasierte Vermarktungsstrategie. Ein Haus in Güglingen, Brackenheim oder Zabergäu verdient eine ehrliche Bewertung, einen realistischen Preis und eine nachvollziehbare Vermarktung – nicht Kaffeesatzleserei mit Wartelisten-Versprechen.

Als Immozwerg arbeite ich ohne Bullshit-Bingo: keine leeren Versprechen, keine Scheininteressenten, keine Drucktaktiken. Nur Marktkenntnis, Klartext und echtes Engagement für Ihr Objekt im Zabergäu und Raum Heilbronn. Wenn Sie wissen wollen, was Ihr Haus wirklich wert ist und wie eine seriöse Vermarktung aussieht, sprechen Sie mich direkt an: immozwerg.com oder 0173 8660756.


Quellen

  1. CBRE Germany, Februar 2026. Wohnmarkt Deutschland bleibt angespannt – CBRE Time-on-Market-Index Q4 2025
  2. Verbraucherzentrale Deutschland, aktuell. Maklergebühren bei Immobilien: Welche sind erlaubt, welche nicht?
  3. Verbraucherzentrale Deutschland, aktuell. Immobilienfinanzierung: Häufige Fragen – Maklerberatung und Interessenkonflikte
  4. ImmoScout24, 2022/2025. Vermarktungszeiten für Eigentumswohnungen in Deutschland
  5. Handelsblatt, November 2025. Wohnimmobilien: Knappes Angebot – kaum inseriert, schon vergeben